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Rückblick 2021 – 7 Jahre Business

Veröffentlichen bevor ein Blogartikel fertig ist? Kann ich.

Spätestens seit ich mit Judith Peters von Sympatexter 2020 gearbeitet habe.

Ein Business starten bevor ich fertig bin? Kann ich auch…

Das habe ich bereits vor 7 Jahren gemacht.

Heute beantworte ich zu Silvester 2021 Fragen aus der Community zu meiner Selbstständigkeit … der Blogartikel entsteht – wie vieles in diesen 7 Jahren: Step-by-Step.

„Unterbrechungen sind meine Aufgabe“, wurde zu meinem Leitspruch als ich 2013 zum ersten Mal Mutter wurde und dieser Leitsprucht zieht sich bis heute, denn ich arbeite häufig dann, wenn es gerade möglich ist:

  • das Laptop Strom hat
  • unter der Bettdecke, um einen Gedanken im digitalen Notizbuch festzuhalten
  • in einem meiner vielen Notizbücher, während die Kinder auch mit Stiften spielen
  • lange und häufig mit einem Kind in der Trage (inzwischen nicht mehr)
  • am Fenster mit selbsthaftenden Flipchart-Blättern

Am Ende wird hier ein sehr ehrlicher und einblickreicher Blogartikel stehen.

Du kannst jetzt schon kommentieren – und gerne deine Fragen hier drunter stellen – ich werde bis heute Abend immer weiter hier ergänzen.

Der Start in die Selbstständigkeit

Ich komme aus keiner Unternehmerfamilie – ein Business war mir also wirklich nicht in die Wiege gelegt. Auch ist mein Lehrberuf als Kinderkrankenschwester viel seltener für eine Selbstständigkeit gemacht, als jetzt zb. bei Hebammen.

Bild: Pusteplume mit in den blauen Himmel fliegenden Samen, Text: Der Wind trägt Gutes zu mir – Tabea Laue Learnings 2019

Worüber wir in der Ausbildung viel mehr gesprochen haben war die Vielfältigkeit meines Berufes, der sich damals von der Kinderkrankenschwester zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin wandelte und insbesondere auch einen Fokus auf die Vorsorge und Gesundheitspflege bekam. Prävention eben.

Obwohl es noch 10 Jahre dauern sollte flogen mir schon während der Ausbildung erste Gedanken zum Thema Selbstständigkeit – eher noch wie Flusen – durch den Kopf. Besonders geärgert hab ich mich damals über die großen Gebinde in den Supermärkten – allein in meiner Wohnung lebend brauchte ich 2,5 kg Kartoffeln einfach niemals auf bevor sie dem Schimmel zum Opfer fielen. Ich träumte von einem kleinen Laden in dem man alles „offen“ in der benötigten (kleinen) Stückzahl kaufen kann.

Heute gibt es dieses Konzept ja in vielen Städten als Unverpackt-Läden – finde ich großartig!

Wann und warum wusstest du, womit du dich selbstständig machen möchtest?

Im Verlauf der Zeit und mit wachsender Berufserfahrung merkte ich, dass ich im „System Klinik“ viel Energie darauf verwendet habe, Frauen aus den erhaltenen Informationen der Schicht vor mir aufzufangen … und auf die Menschen in der nächsten Schicht vorzubereiten.

Die Beratung in den ersten Lebenstagen zum Stillen, zum Schlafverhalten des Neugeborenen war immer herausfordernd. In Kliniken sind wir ja nicht mit unterschiedlichen fachlichen und menschlichen Haltungen EINER anderen Person konfrontiert. Häufig war ich im Spannungsgefüge von rund 20 Kinder- und Gyn-Ärzten, 30 Pflegekräften und 10 Hebammen und sah, wie jede Mutter zwar nicht mit allen Aussagen konfrontiert – aber eben dennoch mit verschiedenen.

Möglicherweise klingt das beim Lesen jetzt schlimmer als es war.

War es gar nicht. Für mich. Denn ich hatte in Ruhe Zeit mich mit den verschiedenen Positionen zu Stillen, Babyschlaf und Haltungen zum MamaSein zu befassen – aus einer Beobachterperspektive.

Heute bereichert mich das immens, weil ich ganz sicher weiss: es führt auch immer noch ein anderer Weg nach Rom.

Einige Jahre habe ich noch damit gehadert, mich mit meinem Berufs selbstständig zu machen und mich kurzfristig im Grafikbereich versucht (eine private Leidenschaft). Ich hatte das Gefühl ich könnte die große Verantwortung die ich für die Ausübung meines Berufs empfinde nicht alleine tragen.

Heute weiss ich, dass ich verantwortungsvoll arbeiten kann, ohne alle Verantwortung übernehmen zu müssen. Ich arbeite mit Familien, die selbstverantwortlich agieren. Ein großer Unterschied zur Klinik, denn dort begegneten mir Menschen unabhängig von ihrem Mindset oder Verantwortungsbereitschaft.

Familien, am häufigsten Mamas, die sich für die ernsthafte Zusammenarbeit mit mir im Stillclub, in den Programmen GROW! – Mehr Schlaf für Stillmamas & NOW! – Beider Bedürfnisse zählen, sowie in der Beratung mit mir entscheiden, wissen, dass Verantwortung & Chancen in IHREN Händen liegen. Ich habe meine Rolle also inzwischen viel klarer formuliert, so dass ich diese Sorge überwinden durfte.

Was war der entscheidende Moment, dass du dich selbstständig gemacht hast?

Letztlich kamen 4 entscheidende Faktoren zusammen.

  1. Ich wurde Mutter und konnte mir nicht mehr vorstellen wie Schichtdienst mit den intensiv präsenten Bedürfnissen meines Kindes vereinbar sein könnte
  2. Wir zogen in eine neue Stadt – 3 Stunden von meinem alten Arbeitsplatz entfernt. Die Einarbeitung in einer neuen Klinik benötigt meist 4 Wochen in Vollzeit – das wollte ich in den vergangenen 7 Jahren jedoch zu keinem Zeitpunkt und wäre auch organisatorisch gar nicht möglich gewesen
  3. Die Vorstellung mich dem System Klinik sowohl organisatorisch, als auch weisungsbefugt, wieder zu unterwerfen und viel Zeit mit anderen Aufgaben jenseits der Beratung zu verbringen
  4. Meine Elternzeit als wirkliche Chance zu sehen – wir hatten uns finanziell und organisatorisch – wegen einem beruflichen Wechsel – als Eltern darauf eingestellt, dass mein Mann beide Male nicht in Elternzeit gehen konnte. Zumindest nicht ohne, dass wir zeitlich sehr zurückgeworfen worden wären.

Es war also ein bisschen ein „jetzt-oder-nie“-Moment.

Es war auch völlig klar, dass ich – anders als viele Kolleginnen – keine Teilzeit-Anstellung nutzen wollte, sondern den beruflichen Fokus komplett auf der Selbstständigkeit haben wollte.

Bild von einem Weinberg, Text: Unternehmertum ist wie ein regelmäßiger Spaziergang im Weinberg – du musst dein Warum kennen, um die wiederholten Anstiege zu lieben. – Tabea Laue Learnings 2016

Angebote & Tätigkeit

Begonnen habe ich 2015 „offiziell“, wobei ich bereits im Frühjahr 2014 intensiv mit Vorbereitungen beschäftigt war. Meine erste Beratung im Dezember 2014 war ein Hausbesuch bei Andrea. Alles war für mich mindestens genauso aufregend, wie für sie.

Woher holst du dir deine Inspiration, deine Angebote immer weiterzuentwickeln? Wie gehst du dabei vor? Ich stelle mir das so schwierig vor als „Einzelkämpferin“.

Auch wenn ich als Solounternehmerin erstmal wie eine „Einzelkämpferin“ wirke, bin ich ja gar nicht so allein.

Angefangen in 2014 hatte ich immer – teils themabezogen, teils mit Fokus „Mindset“ – Coaches und Berater an der Seite.

Manchmal war diese Begleitung 1:1, aber oft auch in Gruppen. Dort hatten wir uns dann in sogenannte Masterminds, also Kleingruppen. Daraus sind Kontakte einfach auch stark geblieben und es findet immer wieder kollegialer Austausch statt.

Zuletzt hat mich lange Lena Busch & ihr Team in „Mama goes und grows Business“ (Partnerlink) begleitet. Seit 2021 bin ich bei einer australischen Coachess begleitet und hol mir da monatlich den Input den ich brauche, das möchte ich 2022 nochmal intensivieren und intensiver nutzen.

Der stärkste Einfluss ist allerdings die Summe der Erfahrungen die ich mit den Müttern meiner Community und Teilnehmer / Kundinnen. Zum einen beobachte ich, wie der Verlauf im jeweiligen Prozess mit Familien mit denen ich arbeite ist. Außerdem frage ich immer wieder einfach nach – das gibt mir viel Aufschluss darüber, wo meine Angebote Verbesserung brauchen können.

Bild: Esel auf grüner Wiese, Text: Mein Weg zum Ziel? Stoisch, wie ein Esel, ein Schritt nach dem anderen einfach immer weiter gehen. – Tabea Laue Learnings, 2017

Entwicklungen in der Einzelberatung

So hat sich für mich gezeigt, dass nach der Einzelberatung häufig doch noch Fragen aufkamen, die aber irgendwie „zu klein“ wirkten, um nochmal eine „ganze Beratung“ zu buchen. Deshalb ist in den Beratungspaketen seit 2021 nun eine Weiterbetreuung für 1 komplettes Jahr inkludiert. So können alle Fragen gestellt werden und falls sich die „Problemsituation“ doch nochmal zuspitzt kann punktuell eine kurze 1:1 Follow-up-Beratung gebucht werden.

Entwicklungen in den Kursen & Gruppen

Den Stillvorbereitungskurs entwickle ich gerade intensiv weiter, nachdem ich ein Webinar besucht habe, das mir nochmal die Augen für einen neuen Blickwinkel geöffnet hat. Das hatte jetzt zu Folge, dass ich an 3-4 Bonus-Elementen arbeite, die SO vorher nicht dabei waren.

Das Programm GROW! – Mehr Schlaf für Stillmamas hat bisher in unterschiedlichen Formaten stattgefunden. Grund war, dass ich im 1. Durchgang das Gefühl hatte es sei für die Dauer von 3 Wochen zu überladen. Für viele Familien war ein 6-Wochen-Programm allerdings zu umfangreich. Deshalb werde ich das Programm 2022 nochmal genau unter die Lupe nehmen und sehen, wie ich es organisatorisch, methodisch und didaktisch nun so aufbauen kann, dass möglichst viele Familien davon profitieren können.

Im Stillclub – bei dem zu Beginn 2019 ja nicht mehr stand als 3 Themen. Für die ersten 3 Monate war ich extrem dankbar über die 37 Gründungsmitglieder. Sie und alle folgenden Stillclub-Mitglieder haben geholfen die inzwischen vorhandene Wochen- und Monatsstruktur aufzubauen. Die Monatsworkshops werden jedes Jahr von den aktuellen Mitgliedern festgelegt und so ist es inzwischen eine echte on-demand Workshop-Flatrate für die gesamte Stillzeit. Mit persönlicher Betreuung zu allen Fragen in der wöchentlichen Sprechstunde, sowie den U1- und Ü1- StillmamaZOOMs.

Beim NOW!-Programm war es fast ein Glücksgriff, dass die Grundstruktur genau so von Anfang an passte und geblieben ist. Es ist mein intensivstes und umfangreichstes Programm, deshalb findet es auch nur einmal im Jahr statt.

Es ist also ganz unterschiedlich, wie gut meine erste Intuition passt. Manchmal braucht es ganz schön Gehirnschmalz um die Bedürfnisse von mir und so unterschiedlichen Kundinnen auf einen Nenner zu bringen.

Der letzte aber auch nicht zu verachtende Einflussfaktor ist: der technische Fortschritt. 2022 wird es einige Veränderungen geben im Bereich der Anwendungsprogramme, die bei den Kursen eingesetzt werden. Neue Funktionen werden dann auch noch einmal eine andere Nutzererfahrung ermöglichen.

Hast du ein paar „Berichte“ über richtige Fälle, die du hattest?

Ausführliche Berichte mache ich nur ganz ganz selten, weil ich irgendwie immer das Gefühl habe, dass es ja einfach so individuelle Einzelfälle sind, dass man sich da gar nichts von ableiten kann.

Vielleicht sollte ich es gerade deshalb häufiger tun. Schreib‘ mir gern mal deine Meinung dazu in die Kommentare!

Eine ausführliche Aufzeichnung der Schlafberatung ohne Abstillen bei Ann-Kathrin findest du hier.

Martina berichtet hier über ihre Erfahrungen mit der Baby-Schlaf-Challenge selbst und wie sie die Aufgaben in den Berufsalltag integriert hat.

Mini-Rückmeldungen ergänze ich so häufig wie möglich auch auf die Seiten zu meinen Angeboten, damit man sich vor der Buchung ein Bild machen kann. Da kann man also auch immer durchscrollen.

Außerdem kannst du mich gerne immer ansprechen, wenn du mit aktuellen oder ehemaligen Kundinnen sprechen möchtest. Schreib mir einfach zu welchem Thema du Beratung suchst und ich frage, mit wem ich dich connecten darf. So kannst du nach Erfahrungen aus erster Hand fragen.

Ab wann könntest du sagen, dass dein Business sich selbst so trug, dass es sich tatsächlich lohnte… Wenn du es erzählen magst.

Ja klar kann ich davon erzählen. Ich weiss – Geld ist so ein tricky Thema – gerade hier in Deutschland. Umso froher bin ich, dass ich von Anfang an immer wieder vor Augen geführt bekommen habe, dass ich mich mit dem „Geld-Thema“ befassen darf. Mit allen Ebenen und Gefühlen, die es so in uns berühren kann.

Vielleicht muss ich dazu erklären, dass ich mit ein paar selbstgewählten Prinzipien und nicht-selbstgewählten Zwängen in die Selbstständigkeit gestartet.

  1. Das Business muss sich selbst tragen – also nicht zu Lasten unserer Familieneinkünfte sein darf. Das „private Darlehen“ von ca. 600.- EUR für die ersten Ausgaben wollte ich zeitnah zurückzahlen. Investiert habe ich vorrangig in das Erlernen wie ich Onlinekurse methodisch-didaktisch aufbereiten kann, dass sie wirkungsvolle Ergebnisse bringen können.
  2. Es dauert 5-7 Jahre bis ein Business rentabel ist. Das war der Satz einer befreundeten Physiotherapeutin und ich weiss noch genau wo wir dabei spazieren liefen. Dieser Ausblick half mir in vielen Gesprächen und dabei einen realistischen Blick zu behalten.
  3. Die Krankenkassengebühren & andere Versicherungen werden vom Business getragen. Ich habe keinen Anspruch auf Familienversicherung, einer der „nicht-selbstgewählten Zwänge“ – verknüpft mit 1. war diese Entscheidung obligatorisch.

Mein Ziel war also nicht, möglichst schnell große Umsätze zu generieren, sondern langfristig für die Mamas die ich begleite da sein zu können. Deshalb: die Frage nach Rentabilität ist eine total berechtigte.

In den Augen von manchem Business-Coach oder -Berater mag manche meiner Entscheidungen irrsinnig gewesen sein – aber jede einzelne passte.

Ich habe häufiger Re-Investiert, als Leben finanziert … von daher hat es für mich von Anfang an gepasst und war vom Gefühl her daher immer „lohnend“.

Bild: Galaxy im Weltall, Text: Würdige jeden deiner erfolge, als wäre er eine neu entdeckte galaxy. Denn genau das ist er! – Tabea Laue Learnings, 2016

Durch die Geburt meiner Tochter im Februar 2018 habe ich nochmal bedeutend zurückgeschraubt, mit Auswirkung auf einen deutlichen Rückgang der Umsätze. Und dann habe ich 2019 im Herbst meine Membership „Der Stillclub“ gegründet.

So konnte ich 2020 im 5. Jahr dann aus dem Kleinunternehmerstatus rauswachsen – ein wichtiger Meilenstein in Sachen „lohnenswert“. Durch die Pandemie bedingt konnte ich die Einzelberatung nicht mehr weiter halten, als unser Sohn in die Schule kam – die habe ich eingestellt und trotzdem wuchs mein Business stabil weiter, ohne diese wichtige Einnahmensäule.

Außerdem habe ich ein System eingeführt, das sich „Profit First“ nennt. Dabei geht es darum die Einkünfte prozentual in verschiedene Bereiche einzuteilen. Das ermöglicht im Endeffekt bereits bei Gründung eine gesunde Aufteilung mit dem Bewusstsein, dass auf private Auszahlungen ja auch noch die Einkommenssteuer fällig wird.

Da ich seit 2021 umsatzsteuerpflichtig bin hatte ich mich 2020 angefangen darauf vorzubereiten und mir virtuelle Assistenz für meine Buchhaltung geholt. Seitdem setze ich Profit First als System intern ein. Wir handhaben es so, dass die Auszahlungen nicht in unseren Haushaltseinnahmen erscheinen, weil es bekanntermaßen so ist, dass man ausgibt was zur Verfügung steht. Unser Konsumverhalten ist inzwischen angepasst auf das vorhandene.

Dennoch ist es dank Profit First jetzt ganz bewusst, dass es einen Unternehmerlohn gibt, der uns auch zur Verfügung steht.

Und weisst du,….: Im Sommer 2021 ging es mir über mehrere Monate hinweg leider gar nicht gut. Ich musste weitere Angebote ausfallen lassen – doch die Kosten laufen ja weiter. Deshalb habe ich, bzw. wir im Gespräch, entschieden, dass ich die Auszahlungen vom Unternehmerlohn pausieren.

Auch diese Erfahrung fühlte sich wieder total „lohnend“ an – diese Entscheidung treffen zu können.

Trotz der langen Phase in der ich kaum arbeitsfähig war, lagen meine Umsätze 2021 mit 10% Wachstum über denen des Vorjahres. Ein großer Erfolg für mich!

Ein großes (finanzielles) Ziel war, mein Gehalt aus der Angestelltenzeit als Kinderkrankenschwester zu ersetzen. Gemessen am Umsatz ggü. Jahresgehalt ist das inzwischen der Fall. Der nächste Step ist, dass mein Unternehmerlohn meinem Nettogehalt entspricht – bei gleichzeitig geringerer Arbeitszeit.

Meine ganz persönliche Realität in der Selbstständigkeit

Selbstständigkeit ist ja so unterschiedlich wie die Menschen selbst.

Welche Hürden hattest du zu meistern, die du vorab nicht erahnt hättest?

Der erste große Rückschlag war, als mein Sohn beim Wechsel von der Tagesmutter in die Krippe eine misslungene Eingewöhnung erleben musste. Emotional und organisatorisch verlangte uns diese Zeit viel ab. Es kam vor allem total überraschend, weil die Tagesmutterbetreuung total gut funktioniert hatte.

Bild: umgeworfener Spielzeugbehälter mit herumliegenden Bausteinen, Text: Wenn du deinem Kind nicht die Aufmerksamkeit gibst, die es braucht, wird es alles tun, um diese dennoch zu erlangen. – Tabea Laue Learnings, 2016

Bei mir – bzw. meinem Business-Ich – hinterließ es das Gefühl niemals zuverlässig genug sein zu können, weil man ja nie weiss, welche Themen mit den Kindern aufkommen.

Ein weiteres Thema mit dem ich konfrontiert war, war die häufige Meinung, dass online alles gratis sei. Ich war unendlich häufig mit der Reaktion „Ach so, das kostet etwas!“, konfrontiert, was den eigenen Wert natürlich auf die Probe stellt.

Es war ein großes Lernfeld auch innerlich, emotional zu erkennen, dass jeder Mensch das Recht hat selbst zu entscheiden, dass oder warum ein Kinderwagen oder ein nicht-genutztes Kinderzimmer mehr kosten darf, als eine Stillberatung.

Ich finde es total spannend, wie du dich mit deinen Journals/Notizbüchern organisierst. Hast du Lust, mal mehr darüber zu berichten?

Es hilft mir meine Gedanken auf Papier zu bringen.

Manchmal nutze ich dazu Apps & Programme, aber ganz häufig eben auch Notizhefte.

Letztlich habe ich im Laufe der Jahre verschiedene Herangehensweisen getestet.

Für mich hat es sich nicht bewährt eine Kombination von Kalender & Journal zu haben – ich bin einfach in völlig unterschiedlicher „Stimmung“ (state-of-mind) wenn ich das eine oder andere nutze.

Auch thematisch habe ich unterschiedliche Journals – manche davon führe ich 2022 wieder zusammen, weil sich herausgestellt hat, dass ich ganz ähnliche Bereiche darin notiere.

Mein Jahres-Journal

Darin enthalten ist meine Jahresreflexion, monatliche Incometracker (die keinen buchhalterischen Wert haben, auch wenn es erstmal so klingt), aber auch Notizen zu Coaching- oder Buddysessions.

Es geht darin letztlich immer eher um das „große Ganze“, ein Blick auf meine eigene Mindsetentwicklung, Erkenntnisse oder auch Herausforderungen in meiner eigenen Weiterentwicklung.

Ich führe dieses Journal in einem Bullet-Journal und lasse mich auch vom Bullet-Journal-Stil inspirieren – erstmals auch mit einem Inhaltsverzeichnis (bzw. Platz dafür). Das Buch das ich da nutze hat ein Punkteraster und Seitenzahlen – ideal dafür.

Kurs- & Programm-Hefte

Jedes Programm, jeder Kurs und auch der Stillclub beginnt bei mir in einem A5-Heft.

Darin überlege ich intensiv zuerst einmal für wen der Kurs ist und in welcher Situation die Person gerade ist. Ein festes Set von Leitfragen aus unterschiedlichen Coachings & Kursen zur Entwicklung von Kursen / Angeboten, die ich in den letzten Jahren immer wieder belegt habe, helfen mir dabei.

Eine Ausnahme bildet der Stillclub. Der hat dieses Jahr ein Buch bekommen, weil er ja jeden Monat einen neuen Workshop bekommt und weiter wächst. Da brauche ich genug Platz, um meine Gedanken niederzuschreiben.

Der Hauptgrund für über ein duzend Hefte & Bücher?

In der Vergangenheit habe ich – immer wieder – viel meiner Arbeitszeit neben spielenden Kindern verbracht.

Auf dem Spielplatz, Boden des Wohnzimmers oder im Kinderzimmer.

Natürlich hätte ich auch mit „Zetteln“ und einem Ordner arbeiten können. Aber in manchen Phasen bin ich gar nicht dazu gekommen Zettelstapel abzuheften. Deshalb bin ich bei der Heftchen-Methode gelandet.

Gab es auch Momente in denen du ans aufhören gedacht hast? (aufgehört hattest du ja mit den Einzelberatungen) Wenn ja, warum… ?

Ja, gab es. Wenn auch mini-mini-kurz!

Die Alternative – zurück in die Klinik – ist derzeit so abwegig, dass diese Überlegung, wenn sie aufkam, keine 30 Minuten überlebt hat.

Ich kenne IBCLC-Kolleginnen, die hervorragende Arbeitsbedingungen gefunden haben. Ich schätze die Möglichkeit in einem interdisziplinären Team zu arbeiten wirklich sehr. Und doch sehe ich momentan keinen Arbeitgeber, der mir die Flexibilität und Wirkungstiefe bieten kann, in der ich in der Selbstständigkeit mit Mamas / Familien zusammenarbeiten darf.

Als ich die Einzelberatungen 2020 eingestellt habe, war das aus der Entscheidung heraus, dass ich gesehen habe: Es gibt ein breites Angebotsportfolio, in dem ich die Probleme begleiten kann.

Das Gefühl ständig auf Abruf zu sein, falls sich jemand mit Stillproblem bei mir meldet hat. In Kombination mit der intensiven Begleitung meines Schulkindes, deren Notwendigkeit sich früh zeigte. Es ging einfach nicht mehr.

Ich dachte darüber nach, ob ich es wirtschaftlich schaffen kann und entschied: Ja.

Ein riesiger Batzen fiel von mir ab. Die Entscheidung war als dauerhafte Entscheidung gedacht.

Bild: Schnecke, Text: Nun mach ich es mal wie die Schnecke und spar mir meine Energie für den nächsten Regen, stat über trocken Land zu laufen. – Tabea Laue Learnings, 2017

Doch nach einem Jahr merkte ich: manchmal macht ein genaueres Hinsehen auf ein Still- oder Schlafproblem einfach Sinn. Ich re-integrierte die Einzelberatung in den Stillclub, um es dort zu ermöglichen kleine, persönliche Fragestellungen 1:1 zu besprechen.

Die Einzelberatungsangebote entwickelte ich weiter zu VIP-Beratungsangeboten, in denen ich sehr intenisv für einen Zeitraum von 3, 7 oder 30 Tagen zur Seite stehe. Intensiv aber für eine extrem begrenzte Anzahl an Plätzen pro Monat und nicht wie vorher einfach auf Abruf.

So entstehen durchaus Wartezeiten. Ein Nachteil, wenn man gewartet hat, bis sich ein Still-/Schlafproblem extrem zugespitzt hat. Aber es ist auch sowieso für die Stillbeziehung hilfreich, wenn man nicht jedes Problem bis zum Notfall-Exit aussitzt.

Für Familien die sich in-house Unterstützung holen möchten, ist im gleichen Atemzug eine sehr exclusive full-service-offer entstanden. Für ein Wochenende oder 2 Wochen reise ich an, um für z.B. Stillen, Schlafen, Tragen, Windelfrei, Säuglingspflege und den bedürfnisorientierten Umgang mit dem Baby anzuleiten. Quasi ein rund-um-die-Uhr Service wie in der Klinik, aber aus einer Hand. Auch geeignet, um in Familien mit Kindermädchen oder Nanny diese Personen für ein bedürfnis- /bindungsorientiertes und stillfreundliches Miteinander in Theorie & Praxis zu schulen.

Das ist erst jetzt möglich, wo meine eigenen Kinder größer sind, aber eigentlich träume ich davon schon seit dem Anfang vor 7 Jahren. Bin schon sehr gespannt, mit welchen Familien ich dabei begegnen darf.

Mir ist bewusst, dass dieses Angebot nur einem begrenzten Publikum finanziell möglich ist. Aber es ist etwas auf das ich unglaubliche Lust habe und was mich innerlich leuchten lässt, wenn ich daran denke. Da, je nach Ausführungsland, vorab gut geplant sein muss, hat dieses Angebot einen Vorlauf von 3 Monaten für die Organisation. Ich bin schon sehr gespannt.

Also – ernsthaft ans aufhören habe ich nie gedacht. 😀 ….ich glaub das merkt man daran, wie ich mich hier in Rage schreibe ^^

Wie sieht dein Zeitmanagement aus, das würde ich interessieren!

Haha – ich habe keines, würde ich ja gern behaupten.

Also tatsächlich… ich bin eine Katastrophe was Zeitmanagement angeht.

Schau, dieser Blogartikel zum Beispiel.

Geplant habe ich ihn einige Tage vor Silvester. An Silvester wollte ich ihn dann eigentlich schreiben. Wurde aber nicht fertig und wollte dann Abends in Ruhe mit meiner Familie sein. Am 1. Januar hab ich den Laptop nicht angerührt und heute – 2.1. – wird er wohl fertig werden.

So geht es mir leider häufig.

Wenn ich etwas plane, wie Videoaufzeichnungen, schaffe ich es möglicherweise vorher nicht die inhaltliche Planung fertigzustellen, ein Kind wird krank oder ich hab plötzlich einen fetten Schnupfen (in den vergangenen 6 Wochen ist mir das 6x passiert).

Mir scheint manchmal als wäre bei mir jegliche Planung zum scheitern verurteilt.

ABER! Ich habe festgestellt, dass mir eine Jahresplanung EXTREM gut hilft.

Gar nicht, weil alles so eintrifft wie geplant – wobei einige Dinge erstaunlicherweise doch.

Lange dachte ich mein Jahr wäre nicht planbar,… war es auch nicht, denn mit kleinen Kindern sieht die Welt innerhalb eines Jahres einfach VÖLLIG anders aus. Finde ich.

Ständig war ich damit beschäftigt mich an die Bedürfnisse und Fähigkeiten anzupassen – oder vielmehr meine Bedürfnisse unterzubringen. War mir ja immer sehr wichtig war, seit ich Mama bin.

Meine Zeitmanagement besteht aus einem Jahresplan. Darin steht wann

  • das NOW!-Programm stattfindet
  • der Stillclub öffnet
  • die Baby-Schlaf-Challenge nochmal gemeinsam durchgeführt wird
  • mein Stillvorbereitungskurs kurzfristig kostenfrei verfügbar ist
  • usw.

Die wöchentliche Arbeitszeit teilt sich in

  • vorplanbar feste Live-Termine in Stillclub, dem jeweils laufenden Programm oder kostenfreien Aktionen
  • kurzfristiger geplante Termine für Einzelbegleitungen
  • vielen a-synchronen To-do’s wie für Hintergrundarbeit im Mitgliederbereich, das Schreiben von Texten Webseite & Social Media und Backoffice-Aufgaben

Hauptarbeitszeit ist, während meine 2 Lütten in Schule & Kindergarten betreut sind. Dazu Freitag-Nachmittags & Samstag Vormittag & Nachmittag. Manchmal nutze ich den Abend, wenn ich gerade die Muse habe zu schreiben. Insgesamt bleibe ich dabei aber unter 20 Wochenstunden.

Denn: die Zeit in der beide Kinder betreut sind ist die einzige Zeit in der ich z.b. in Ruhe und ausgiebig spazieren gehen kann, was ich letztes Jahr versucht habe intensiv zu nutzen. Das ist zum Jahresende hin jetzt ziemlich eingeschlafen und ich weiss, dass ich es unbedingt wieder anfangen muss.

Auch Me-Time-Termine, wie eine Massage oder ein Treffen mit einer Freundin kann nur in der Betreuungszeit stattfinden.

Was mir hilft in der Arbeitszeit das zu tun, was wichtig ist sind 2 Systeme.

  1. Die 3x3x3 Methode von Jesta Phoenix – hier werden für einen Zeitraum 3 Topics / Ziele festgelegt, aus denen dann 3 Unterbereiche mit 3 Einzelaufgaben rausgegriffen werden, die nötig sind um bei dem Topic relevant voranzukommen oder das Ziel zu erreichen.
  2. Das wichtig-dringend-nichtwichtig-nichtdringend-System (von wem das ist weiss ich nicht) – dabei wird eine zu lang gewordene To-do Liste eingeteilt in 4 Quadranten, um zu priorisieren

Beide Systeme nutze ich mega gerne. Im Alltag gibt es häufig sonst einfach eine für Woche geltende To-do- und eine Done-Liste. Die Zweite ist besonders wichtig, denn häufiger erledige ich Dinge noch ehe sie auf die To-do-Liste wandern. So sehe ich deutlicher was ich getan habe. Was mir sehr hilft wertschätzend mit mir umzugehen, insbesondere in Zeiten, in denen es sich fast so anfühlt als würde ich gar nichts gebacken bekommen.

You know what I mean.

In Bezug auf Dinge wie Zeitmanagement, Haushalt, Kinder, Mann, Workload… Was sind deine will-ich-nicht-mehr-missen Punkte gegenüber angestellt sein und welche würdest du gern eintauschen (wo gefiel dir angestellt sein besser)?

Oh wow – was für eine spannede Frage!

Wenn ich SEHR ehrlich drauf schaue ist die

Was-gefiel-mir-beim-angestellt-sein-besser Liste mit

  • feste Dienstzeiten, danach Dienstende
  • Workload wie er in 7,7 Stunden Schicht anfällt, ggf. für Dokumentation Überstunden arbeiten, danach Haken dran

sehr kurz aus.

Meine Ich-will-nicht-mehr-missen-Liste hingegen sagt

  • selbstbestimmte Arbeitszeit, fraktioniert wie ich es gerade zu diesem Zeitpunkt brauche
  • maximale Verfügbarkeit für meine Kinder
  • Reduzierbarkeit der Arbeitszeit, spontan, über mehrere Wochen oder Monate möglich
  • Möglichkeit die jeweilige Tätigkeit auf meine beste Tageszeit für diese Tätigkeit zu legen
  • Arbeiten können, wenn ich gerade eh nicht schlafen kann
  • Schlafen dürfen, wenn ich zu müde zum Arbeiten bin
  • Freie Zeit für mich selbst, Freunde, Partnerschaft während vorhandener Betreuungszeit, ohne zusätzliche Betreuung buchen zu müssen
  • Workload durch mich selbst bestimmt
  • Aufgaben die einfach null und gar nicht meines sind kann ich abgeben, aktuell ist das die vorbereitende Buchhaltung, für die mir Tanja hilft
  • Selber bestimmen, welche Aufgaben / Themen ich annehmen möchte und welche nicht

Würde man noch andere „Punkte“ mit aufnehmen in der Fragestellung, dann wäre die 2. Liste noch umfangreicher und die 1. auch ein klein wenig.

Was ich wirklich sehr vermisse ist, dass es immer Kollegen zum Austausch gibt. Interdisziplinär. Das fand ich immer sehr bereichernd und das muss ich mir jetzt wirklich bewusst suchen und gestalten.

Mache ich auch.

Das “Feierabend“ haben/machen und berufs/berufungsfreie* Wochenenden. (*Du machst ja auch hier soooooooo Unmengen viel.) Wie regelst du das? Wie oft gelingt es? Das abschalten – in zweifacher Hinsicht.

Ja.

Abschalten ist manchmal meine Schwachstelle.

Zumindest war das in meinen frühen Berufsjahren so. Wenn ich einen Dienst hatte, der so voll war, dass mir am Ende während der Übergabe an die nächste Schicht das Hirn so sehr ratterte, dass ich kaum noch klar denken konnte. Auf dem Heimweg fielen mir nicht selten X Sachen ein, die ich noch weitergeben musste – was ich dann telefonisch tat.

Es gab keinerlei Routinen, die einen Feierabend einläuteten.

Heute fällt es mir viel viel leichter Freizeitroutinen zu gestalten.

Außerdem bin ich nicht immer online, wenn es so scheint. 😀

Moderne Tools erlauben es mir das rausgeben von Inhalten vorzuplanen.

Abschalten gelingt mir so zu Zeiten, wo ich WIRKLICH abschalten kann – deshalb brauche ich davon gar nicht so viel. Also in Zeiteinheiten gerechnet.

Bild: Pinsel in einem Becher stehend mit verschiedenen Farben, Text: Creative work first. Re-Active Work second. – Tabea Laue Learnings, 2019

Heute hat Abschalten für mich auch viel mit „Grenzen setzen“ zu tun. Etwas was ich auf jeden Fall lernen musste. Häufig bekomme ich auf Social Media Privatnachrichten mit explizit Beratungsfragen. Früher hatte ich das Gefühl da immer sofort antworten zu müssen, heute mache ich das – wenn ich Zeit dazu habe – in einem Block. Das kann durchaus mal 2 Wochen dauern, denn es steht explizit in meinen Profilen, dass ich dort nicht via PN berate.

Eine Anmeldung für einen Beratungsplatz lass ich natürlich nicht unnötig lange warten!

Früher hatte ich auch in meiner Community „Mindful Mama Clan“ das Gefühl auf jede Frage antworten zu müssen, am Besten sofort. Doch das schaffe ich gar nicht. Manchmal ergänze ich dort einen gedanklichen Aspekt, wenn ich das Gefühl habe, dass er noch fehlt … aber auch hier mache ich keine Beratung. Außerdem habe ich ein exzellentes Team aus Co-Admins und wir haben zwischenzeitlich auch die Beitragsfreischaltung eingeführt, um betreuungsintensive Themen sofort im Blick zu haben, nicht erst wenn sie aus dem Ruder laufen.

Mein „Feierabend“ ist häufiger also einfach eine oder mehrere freie Stunden, die ich sehr genieße und in denen ich Kraft schöpfe.

Im Allgemeinen ist mein gesamter Arbeitsalltag einfach viel mehr an meinen Bedürfnissen ausgerichtet.

Das bedeutet, dass die Arbeit in der Community sich für mich nicht wie Arbeit anfühlt. Ich muss deshalb eher aufpassen, dass ich mich nicht darin verliere 😉 – wie gesagt. Dafür gibt es Gewisse „Grenzen“, die ich eingerichtet habe. Denn auch wenn ich viel Raum halte für kostenfreien Konsum meiner Anregungen oder meines Wissens, für eine geschützte Community … am Ende des Tages stehen hier 7 Jahre Business.

…und die nächsten 7 dürfen gerne folgen.

Schön, dass du dabei bist,
Deine Tabea

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